Meine persönliche Position zur geplanten Erweiterung des Kiessandabbaus in Zitzschen/Großdalzig

Die Leipziger Tieflandsbucht und speziell der Bereich südlich von Leipzig ist historisch geprägt durch die wunderschöne Auenlandschaften der Flüsse Weiße Elster und Pleiße sowie äußerst fruchtbare Kulturböden. In den letzten 100 Jahren wurde ein Großteil dieser Landschaft durch den Braunkohlebergbau in Anspruch genommen. Nach Beendigung der Bergbauaktivitäten ist eine neue Kulturlandschaft am Entstehen: Das Leipziger Neuseenland.

Die Region muss dieses hier neu entstehende Potenzial, aber auch die noch bestehende Natur und Landschaft nutzen können. Außer den neu entstandenen Seen hinterließ der Bergbau nur karge Kippenböden sowie zerstörte Landschafts- und Infrastruktur. Mit weiterem Bergbau wird aber weitere Naturlandschaft zerstört. Das ist nicht akzeptabel! Ich bin gegen weitere Flächeninanspruchnahme durch Bergbauaktivitäten in der Zwenkauer Region und möchte mich klar gegen den geplanten Kiessandabbau im Bereich Zitzschen aussprechen.

Mit dem geplanten Kiessandabbau kommt es außerdem

  • zum nicht hinnehmbaren Verlust von Dauerarbeitsplätzen (Landwirtschaft, verarbeitende Betriebe usw.),
  • zur Vernichtung wertvoller Ackerböden als Grundlage für eine langfristige Entwicklung von Natur, Landwirtschaft und regionaler Wirtschaft,
  • zur Zerstörung der wenigen noch vorhandenen Landschaftsverbände und zur starken Beeinträchtigung der Lebensgrundlage für alle hier lebenden Menschen.

Der durch die bisherigen Bergbauaktivitäten ohnehin bereits geschwächte agrarstrukturelle Biotopverbund der Elsteraue wird fast gänzlich zerstört. Daneben wird der noch vorhandene Rest des Oberflächenentwässerungssystems im Bereich der Weißen Elster vernichtet, was zu einem weiteren erheblichen Eingriff in den Grundwasserhaushalt der gesamten Region westlich der Weißen Elster führt.

Der geplante Kiessandabbau führt für die Einwohner Zwenkaus und seiner Ortsteile zu einem erheblichen Verlust an Lebensqualität. Er steht zunächst im Widerspruch zur gewollten touristischen Entwicklung der Region auf Grundlage der Charta Leipziger Neuseenland 2030 und dem tourismuswirtschaftlichen Gesamtkonzept. Die in diesem Rahmen bereits getätigten und geplanten öffentlichen und privaten Investitionen werden nachhaltig gestört. Weiter erhielten wir Mitte der 90 iger Jahre die Zukunftschance zur Entwicklung Zitzschens durch das vom Freistaat Sachsen unterstützte und geförderte Modellvorhaben "Modelldorf Zitzschen". Im letzten Jahr wurde Zitzschen sogar Sieger im Kreiswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ im Landkreis Leipzig und ist somit 2015 an der Teilnahme am Landeswettbewerb berechtigt. Der geplante Kiessandabbau steht demgegenüber im starken Widerspruch.

Hier kommt es aus meiner Sicht zur Missachtung des öffentlichen Interesses zu Gunsten von rein privatwirtschaftlichen Interessen. Diese privaten Interessen führen zu einem ungerechtfertigten Verbrauch von Rohstoffressourcen für unsere nachfolgenden Generationen. Die Belastungen durch Emissionen des Kiesabbau und die zusätzlichen Verkehrsbelastungen beeinträchtigen die Wohn- und Lebensqualität der jetzt hier lebenden Bevölkerung.

Der Kiessandabbau steht aber auch im Widerspruch zur geltenden Regionalplanung, insbesondere zum Landesentwicklungsplan 2013, zum Regionalplan Westsachsen 2008 und zum Flächennutzungsplan der Stadt Zwenkau. Er bedeutet eine ungleiche Belastung unserer Region, welche über 70 Jahre unter den Folgen des Braunkohlenabbaus gelitten hat, gegenüber anderer Regionen.

Ich unterstütze deshalb die Initiativen der Einwohner von Zitzschen und Zwenkau und fordere: Kein Kiessandabbau in Zwenkau und seinen Ortsteilen!

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Holger Schulz
Bürgermeister